Im Unruhestand

„Wenn Führungspersonen in den Ruhestand gehen, ist eine zentrale Emotion Angst, Angst vor dem Unbekannten“, sagt der Ruhestandscoach Hubert Koch. „Diese spiegelt sich in Unsicherheit und in Sorge wider“. Das führe dazu, dass viele CFOs dieses Gefühl unterdrücken und den Ruhestand verdrängen. Doch das Ende des Arbeitslebens komme. „Und dann fallen die Manager oft in ein Loch, weil sie sich nicht ausreichend auf den Lebensabschnitt Ruhestand vorbereitet haben“, so Koch weiter.

Von hundert auf null?
Nach seiner Beobachtung zeigen sich bei vielen Managerinnen und Managern wiederkehrende Muster. „In der ersten Zeit im Ruhestand aktivieren ehemalige Manager Dinge, die sie lange nicht getan haben“, so Koch. Tendenziell würden die ersten paar Monate oft sehr positiv wahrgenommen. „Die Unzufriedenheit tritt dann etwa nach einem halben Jahr bis Jahr auf.“ Ehemalige Vorstände erlebten dann erstmals ein Gefühl der Bedeutungslosigkeit. Die meisten CFOs seien in ihrem beruflichen Werdegang High Performer gewesen und hätten einen Großteil ihrer Zeit der Arbeit und dem Unternehmen gewidmet, sagt Koch. „Viele Führungskräfte verlieren mit der Karriere den Blick auf sich selbst als Mensch und identifizieren sich nur noch mit ihrer Funktion im Unternehmen.“ Oftmals müssten die Manager erst wieder lernen, „Mensch zu sein“. Doch nur für wenige Manager geht es nach dem Karriereende von 100 Prozent auf null. „Es gibt verschiedene Typen von Managern im Ruhestand“, erklärt Coach Koch, der zahlreiche Führungskräfte bei diesem Schritt begleitet hat. Während manche sich komplett von ihrem alten Beruf trennen, bleiben doch viele mit einem Bein im Berufsleben: Aufsichtsrats- oder Beiratsmandate, Ehrenämter oder Interim-Positionen sind die gängige Wahl. So ganz steigen die meisten CFOs also nicht aus.

 

veröffentlicht in
FINANCE - Was Finanzentscheider wissen müssen 
September/Oktober 2025