Bericht über den Vortrag von Dr. Hubert Koch auf der Bundestagung des BKU 2025 in Koblenz

Der wichtigste Mensch im Unternehmen ist dein Nachfolger

Nach dem Beitrag des Arbeitskreises „Soziale Ordnung“ widmete sich der Arbeitskreis „Nachfolge“ einem Thema, das für viele Unternehmer von höchster Relevanz ist: der erfolgreichen Gestaltung des Generationswechsels.

„Die Nachfolge zu regeln fühlt sich oft an wie ein Puzzle mit 10.000 Teilen im Dunkeln zu sortieren.“

Lioba Heinzler, Supervisorin, Unternehmenscoachin und Leiterin des Arbeitskreises, eröffnete ihren Impuls mit einem eindrücklichen Bild: „Die Nachfolge zu regeln fühlt sich oft an wie ein Puzzle mit 10.000 Teilen im Dunkeln zu sortieren.“ Damit machte sie die Komplexität des Prozesses unmittelbar greifbar. Heinzler betonte, dass Unternehmensnachfolge schwieriger geworden sei und schon jetzt ein akuter Nachfolgermangel bestehe - eine Entwicklung, die sich künftig noch zuspitzen werde. Der von ihr geleitete Arbeitskreis, in dem 31 Mitglieder des BKU mitwirken, habe sich daher intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und auf der Bundestagung seine Thesen vorgestellt. Gemeinsam mit dem Ruhestandscoach und Berater Dr. Hubert Koch, der ebenfalls im Arbeitskreis mitarbeitet, führte Heinzler in die Thematik ein. Sie stellte klar, dass Nachfolge nur mit einem „radikalen Perspektivwechsel beziehungsweise Generationen-Kompetenz“ gelingen könne.

„Arbeiten bis zum Umfallen ist kein Qualitätsmerkmal. Jesus zeigt: Nachfolge heißt, den Nachfolgenden vertrauen und Raum geben.“

Eingefahrene Denkweisen aufseiten der Abgeber begrenzten oft die Möglichkeiten - sei es durch einen zu starken Fokus auf Primogenitur, interne Nachfolge oder das eigene Geschäftsmodell.

Mit Blick auf das Tagungsmotto „Leistungsbereitschaft in christlicher Verantwortung“ verband Heinzler das Thema Nachfolge mit einer geistlichen Dimension: „Arbeiten bis zum Umfallen ist kein Qualitätsmerkmal. Jesus zeigt: Nachfolge heißt, den Nachfolgenden vertrauen und Raum geben.“ Koch ergänzte, dass die Verantwortung für das Gelingen der Nachfolge beim abgebenden Unternehmer liege. „Die Entscheidung über den Beginn des Prozesses und die Verantwortung für das Gelingen der Nachfolge liegen beim abgebenden Untemehmer“, betonte er. Dabei sei es zentral, die eigene Persönlichkeitsentwicklung - oft über Jahre hinweg zugunsten des Berufs vernachlässigt - zu reflektieren.

Anhand zahlreicher Praxisbeispiele zeigte Koch auf, welche Fallstricke drohen und wie die Entwicklung eines individuellen Lebensmodells für die dritte Lebensphase helfen könne. Entscheidend sei, nicht in ein „Mehr vom immer Gleichen“ zu verfallen, sondern, wie es im Johannesevangelium (Joh 10,10) heißt, „das Leben in Fülle“ zu haben.

Dies bedeute, die eigene Persönlichkeit zu entfalten und zugleich das Leben vom Ende her zu denken - auch mit Blick auf die abnehmenden Freiheitsgrade, wie sie Bischof Heiner Koch beschrieben habe.

 

veröffentlicht in
JOURnal 2/2025